IN:BETWEEN Stücktext

Gestern war der 11te September 2019.

Azey hat gestern einen Kurzfilmabend moderiert, den sie gemeinsam mit unserer Freundin Anna Sichlinger kuratiert hat.

Gestern vor einem Jahr war der 11te September 2018.

An diesem Tag ist Azey von Detroit zurück nach Deutschland geflogen. Bis Azey in den USA sicher im Flugzeug war, wartete Marion in Deutschland angespannt an ihrem Handy. Ob es wieder passieren würde.

Auf ihrem Hinflug, am 14ten August, wurde Azey nach einer technischen Fehlermeldung eines Scanners der Zutritt zu ihrem Flug verweigert. Nach langer, penibler und intensiver Befragung war sie auf ihrem Heimweg gestrandet. Nachts, allein, am Flughafen in Amsterdam.

Der 11te September ist gerade in den USA ein Datum, das mit Emotionalität und Misstrauen verbunden ist. Es hat vermutlich nicht geholfen, dass ihr Rückflug für genau diesen Tag gebucht war.

Aber zum Großteil war es klassisches, alltägliches Racial Profiling. Racial Profiling, das weiterhin jeden Tag an Flughäfen weltweit betrieben wird.

In einem ganzen Jahr passiert so vieles.

Azey hat eine Bachelorarbeit geschrieben.

Julia hat eine Stelle beim BR angetreten.

Danijel hat zwei Stücke in Dänemark geschrieben.

Marion hat ihr Regiestudium in Salzburg angefangen

Und zusammen haben wir ein Stück geschrieben und zur Aufführung gebracht. Weil Azey ihre Geschichte erzählen wollte. Musste. Und weil die anderen sie unterstützen wollten. Mussten. Weil zu viele Übergriffe, Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten unbemerkt, unausgesprochen, alltäglich in unserer Gesellschaft stattfinden.

Und weil wir gerne zusammenarbeiten. Uns kreativ herausfordern, reiben, stören und ergänzen.

Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit war nicht nur die Inszenierung, die vor inzwischen auch schon wieder vier Monaten Premiere hatte, sondern auch dieser Text. Er wurde im Kollektiv mit gemeinsamer Autorschaft verfasst, eine neue Erfahrung für uns alle. Aus denselben Gründen, aus denen wir das Kollektiv gegründet und die Inszenierung auf den Weg gebracht haben, wollten wir diesen Text auch öffentlich zugänglich machen.

Copyright dieses Texts liegt bei uns vieren, wir wollen ihnr hiermit allerdings auch offen zur Verfügung stellen. Wenn sich also andere Künstler*innen, Experimentierfreudige oder Neugierige an dem Stück versuchen oder Texte daraus nutzen wollen, schreibt uns eine benachrichtigende Email an collective.in.between@gmail.com und legt dann los.

Kollektiv in.between

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