Im Hof des Literaturmuseums

Vor der Petőfi-Statue, im Hof
Des Literaturmuseums, ist ein
Restaurant, das ich seit Jahren
Zu besuchen pflege, sooft ich
In Budapest bin. Die Kellner
Kennen mich, sie nicken mir
Zu. Wenn ich ankomme und
Auch wenn ich gehe, stehe ich
Schweigend eine Handvoll
Minuten lang vor dem mageren
Gesicht aus Bronze des Dichters
Und Revolutionären. Der Bildhauer
Stellte ihn dar, wie er wohl ausgesehen
Haben muss in den letzten Jahres seines
Lebens, 1848 und 1849, als er an die Front
Des Bürgerkrieges kämpfte bis zu seinem
Jungen Tod. Eines seiner letzten Gedichte,
Erfasst im Januar des Jahres 1849, als die
Freiheitskämpfe unterdrückt wurden in
Fast allen anderen europäischen Ländern,
Beginnt mit der folgenden Strophe:
„Europa schweigt, sie schweigt wieder,
Es verschwanden, ihre Aufstände…
Schämen soll sie sich! Sie wurde still,
Ausleben könnte sie ihre Freiheit nicht.“
Ich sitze im Restaurant und versuche,
Text zu lernen, die Flieger rauschen
Über der Stadt. Es beginnt, zu regnen.
Aber nach Kurzem hört es auf, die
Sonne scheint wieder. Neben den
Zeilen, die ich auf der Bühne sagen
Werde in zwei Wochen, schreibe ich
Mir eine kleine Notiz: „Wir müssen
Nach Zukünfte suchen“, sonst ist
Die Wirklichkeit zu unerträglich,
Selbst wenn man sie spielt, in
Dunklen Theaterräumen, unter
Freunden, drei Abende Ende April.


-Danijel

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